Gut oder schlecht? – Dr. Franziska Brandner: Grüne wollen Rechte und Pflichten von Patchwork-Eltern stärken – „Soziale Elternschaft“

Bei einem Gespräch mit dem ISUV Vorsitzenden Josef Linsler und dem ISUV Pressesprecher Rechtsanwalt Claus Marten zu familienrechtlichen und familienpolitischen Fragen stellte die Abgeordnete der Grünen, Dr. Franziska Brandner, Mitglied im Familienausschuss heraus, dass die Fraktion der Grünen die Rechte der Patchwork-Eltern stärken wollen. Die Zahl der Patchworkfamilien wächst. 14 Prozent aller Familien sind es derzeit, hat das Allensbacher Institut für Demoskopie ausgerechnet. Künftig wird es noch mehr Patchworkfamilien geben, in denen minderjährige Kinder leben. Viele dieser Kinder bekommen Stiefgeschwister, wenn sich ihre Eltern neu binden – ganz gleich, ob sie wieder heiraten oder “nur” eine Lebensgemeinschaft bilden.

Inzwischen hat man auch zur Kenntnis genommen, dass die Stiefmutter oder der Stiefvater zwar im Märchen immer der Böse und Missgünstige ist, aber das muss nicht immer so im realen Leben sein. Viele von Ihnen helfen engagiert mit bei der Erziehung der „Stiefkinder“, allerdings setzt ihnen die juristische Wirklichkeit enge Grenzen. „Nimmt“ es der Arzt, die Kindergärtnerin, der Lehrer „genau“, ohne Vollmacht müssen sie den Stiefvater oder die Stiefmutter abweisen, wenn sie das Kind abholen oder sich informieren will. In allen Fragen entscheiden ausschließlich die leiblichen Eltern, obwohl tatsächlich die Stiefmutter oder der Stiefvater mit dem Kind besser vertraut ist. Viele “Zweitmütter” und “Zweitväter” wollen mehr sein als Begleitpersonen in der zweiten Reihe. Sie wollen mitentscheiden dürfen in Situationen, in denen rasche Entschlüsse gefordert sind, und in Fällen, die den Patchworkalltag direkt betreffen.

Unterhaltspflicht für Patchworkeltern

Das wollen die Grünen jetzt ändern. “Stiefmütter” und “Stiefväter” sollen ähnliche Rechte bekommen wie leibliche Eltern. Über das “Rechtsinstitut elterliche Mitverantwortung”, das im Wahlprogramm der Partei verankert ist, debattieren die Grünen schon länger. Hetero- wie homosexuelle PatchworkerInnen, höchstens aber beide leibliche Eltern und deren neue PartnerInnen, sollen die sogenannte soziale Elternschaft bekommen können. Mit einem Familienpass können dann die neuen, rechtlich gleichgestellten Eltern problemlos in die Schule oder zum Arzt gehen.

Dem nicht genug, mit den Rechten sind auch Pflichten verbunden: Die Bundestagsfraktion hat beschlossen, dass alle Beteiligten zu gleichen Teilen Unterhalt für das Kind zahlen sollen. Bei einem Dreierpatchwork – beispielsweise leibliche Mutter, leiblicher Vater, neuer sozialer Vater – würde der Unterhalt gedrittelt. Sind vier Elternteile beteiligt, soll er geviertelt werden.

Die Grünen denken aber noch weiter: dass die Unterhaltspflicht bestehen bleiben soll, wenn sich die Patchworkeltern wieder trennen.

Advertisements

Über isuv

ISUV-Bundesvorsitzender ISUV - Trennung/Scheidung, Ende einer Beziehung, aber auch Chance zum Neuanfang
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gut oder schlecht? – Dr. Franziska Brandner: Grüne wollen Rechte und Pflichten von Patchwork-Eltern stärken – „Soziale Elternschaft“

  1. WB schreibt:

    Ich bin entsetzt 😦 allerdings ist sowas typisch für diese Partei. Wundert mich schon, dass nicht gleich noch verlangt wird daß der „nicht betreuende Elternteil“ ein Pfand bei Abholung des Kindes hinterlegen muss.

    So sehr ich den Wunsch von Patchwork Familien nach Vereinfachung verstehe, so positiv eine gut funktionierende soziale Elternschaft sein kann, darf das doch nicht über der wirklichen Elternschaft stehen.
    Wobei selbst die „Grüne“ schreibt: „wenn es … genau nimmt“. Und das passiert nach m.E. doch recht selten. Deshalb sehe ich eigentlich keine (dringende) Notwendigkeit einer Änderung.

    Was hindert eigentlich den (eigentlich) betreuenden Elternteil Partner/in eine Vollmacht für Arzt oder Schule zu geben? Kann ja auch jederzeit, z.B. bei Trennung, widerrufen werden.
    Aber es kann, darf, nicht sein, dass Stiefelternteil Vorrang vor „richtigem“ Elternteil bekommt.

    Und das mit der Unterhaltspflicht, da steht doch nur „die Angst“ dahinter dass Staat einspringen muss. Liegt aber nur daran, dass der gleiche Staat nicht in der Lage ist Eltern zu ausreichenden Einklang zu verhelfen.

  2. Torsten Fabricius schreibt:

    Ich sehe meinen jüngeren Sohn seit Monaten so gut wie gar nicht. Umgänge werden in Reihe vereitelt und wenn ich vor Gericht gehe, dann wird der Umgang verringert, weil es nicht klappt und „die Eltern nicht kooperieren können“.

    Mein Sohn wird genötigt „Papa“ zum Stiefvater zu sagen – sein Bruder sei nicht sein richtiger Bruder (mein Großer aus meiner ersten gescheiterten Ehe), seine Großeltern (meine Eltern) seien nicht seine richtigen Eltern, ich sei nicht sein richtiger Vater, denn er hat jetzt einen neuen Papa und so weiter.

    Es geht hier nicht um Kuckucksvaterschaft – praktisch ausgeschlossen – sondern um das ersetzen eines leiblichen Elternteil durch einen sozialen Pendant.

    Der Herr Stiefvater hat auch den Familienrichter angeschrieben und angerufen, dass der doch etwas dagegen unternehmen solle, dass ich ständig wegen Umgang vor Gericht ziehe, da er für seine in Erziehungszeit befindloiche Frau die Gerichtskosten zahlen müsse ….

    Mittlerweile haben wir einen – inzwischen zwar bezahlten, aber untätigen – Umgangspfleger. Der hatte mir mehrfach gesagt, dass ich „Rücksicht“ auf die Ehe meiner Exfrau nehmen müsse und dass ich aufhören solle, den Umgang zu fordern – dann würde der Umgang irgendwann schon von alleine kommen und wenn nicht, dann käme mein Sohn schon irgendwann wenn er Erwachsen sei. So wie sein eigener Sohn mit 28 Jahren! nun auch auf ihn zugekommen sei und sich von seiner Mutter nun etwas distanziere. Ehrlich, das hat der Umgangspfleger mir so erzählt und als Richtschnur für mein Verhalten anempfohlen.

    Im letzten Verfahren im Sommer 2014 wurde dann auf Betreiben des Umgangpflegers mir die Schuld am nicht Zustande kommen des Umgangs gegeben – meine Exfrau wolle ja Umgang und Übernachtung, aber das Kind wolle inzwischen nicht mehr – vorallem aufgrund meines Verhaltens, das im Wesentlichen darin besteht Umgang wahrzunehmen wenn das zugelassen wird und bei zu häufiger Vereitelung vor Gericht zu gehen. Dabei hat mein Sohn – vom Verfahrensbeistand zitiert – selbst gesagt, dass er den Umgang unbedingt und regelmässig haben möchte, aber nur zweimal im Monat einen Tag, weil seine Mutter mehr nicht aushalten könne! Mein Sohn ist mitlerweile fast 9 Jahre alt und macht das Theater seit fast 8 Jahren mit!

    Ich habe auf dem Papier völlig uneingeschränktes Sorgerecht, sehe meinen Sohn aber nur wenige Male im Jahr und dann nur in Zusammenhang mit unangenehmen Bring- und Holsituationen und ich muss häufige beleidigende Kurznachrichten meiner Exfrau in Kauf nehmen (phasenweise Massen an SMS, so dass der Speicher regelmässig voll wird)

    Wir haben inzwischen mit zwei Gerichten, drei Richtern, 4 Anwälten, 2 Verfahrenspflegern, 13 sozialpädagogischen Fachkräften aus 2 Jugendämtern und diversen Beratungsstellen zu tun gehabt. Dazu kommt noch ein hochtraumatisierter Umgangspfleger, der seine anwaltliche Zulassung zurückgegeben hat, selbst jahrelang unter Umgangschwierigkeiten oder Vereitelung mit seinem eigenen Sohn leiden musste und nach einer psychologischen stationären Reha „die Psychologie als Thema kennengelernt“ hat und nun als Mediator im familienrechtlichen Umfeld sein Unwesen treibt.

    Was ihn dazu antreibt anstatt für den Umgang zu sorgen , wofür er bezahlt wird, lieber als eine Mischung von Gutachter, Mediator und Umgangsverhinderungsbegleiter zu arbeiten ist mir schleierhaft.

    Und jetzt soll der Neuvater, der im Einvernehmen mit seiner Frau MEINE Vaterrolle lebt, auch noch durch ein eigenes Sorgerecht legitimiert werden? Sagen Sie mal, leben wir denn auf dem Mars oder in einem Rechtsstaat mit einem gewissen Forschungsstand zum Kindeswohl?

    Ich rechne nicht damit, dass ich meinen Sohn vor dem Jahreswechsel noch einmal sehe – naja ich werde es versuchen. Ich bin es ihm schuldig. NOCH will er er mich sehen, bzw. wollte es als ich ihn das letzte mal abholen und Zeit mit ihm verbringen konnte. Vielleicht geht es mal in der Schule auf dem Pausenhof.

    Und nochmal vor Gericht? Schliesslich ist ja ab April Übernachtung vom Gericht festgesetzt. Vielleicht mache ich das ja, vielleicht auch nicht. ich rechne damit, dass beim nächsten Gerichtstermin der Umgang für einige Monate ausgesetzt wird, damit das Kind mal zur Ruhe kommt.
    Das hört sich zwar unerhört und unwahrscheinlich an, passiert aber in Deutschland genau so ziemlich häufig.

    Sorgerecht für Stiefeltern? Ich bin selbst Scheidungskind und seit meinem 2. Lebensjahr bei einer Stiefmutter aufgewachsen (die niemals die Rolle der leiblichen Mutter, der Mama besetzt hat und mich trotzdem geliebt hat wie ihr eigenes Kind).
    Ich selbst wurde – nicht von der Stiefmutter, aber vom Vater – von meiner leiblichen Mutter entfremdet. 14 Jahre keinen Kontakt, danach nie wieder ein vernünftiges Verhältnis zueinander.

    Nee das Sorgerecht für Stiefeltern ist unnötig wie ein Kropf – Vollmacht reicht da völlig und geht in der Regel formlos. Und der Stiefvater meines Sohnes geht ohne Sorgerecht zum Arzt, in die Schule etc., während mir mit Sorgerecht sogar die Informationen, geschweige denn der Kontakt zum eigenen Kind vorenthalten werden.

    Schwachsinn ist das.
    Dieser Grüne Pseudofeminismus ist eine Schande für den Freiheitskampf der Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Der echte Feminismus, z.B. einer Simone also nicht der 68er Radikalspastizismus, wollte nämlich nicht die Befreiung der Frau durch die Unterdrückung des Mannes erreichen, sondern eine bessere Gesellschaft für beide Geschlechter auf Augenhöhe, mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleichen Chancen.

    Neee neee echt. Schade um unser Land und traurig für unsere Kinder.

    Torsten Fabricius

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s